Musik Express Sounds 10.88

 

FALCO

 

Für die einen ist er der einzige

Deutschsprachige Pop-Star von inter-

nationalem Niveau, die anderen hal-

ten ihn schlicht für ein arrogantes

Arschloch. An Hans Hölzel alias Falco

aus Wien scheiden sich die Geister.

Me/Sounds-Redakteur Uli Weißbrod

entlockte dem Falken trotz dessen

ausgesprochener Selbstgefälligkeit

deftige Statements zu Musiker-Beruf

und bürgerlicher Ehe, zu Jeanny und

Michael Jackson, zu Geld und Heroin.

                                                   I          N          T          E          R          V          I          E          W

                                                 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

M

 

 


                    E/SOUNDS: Welche Be-

                    Rufsbezeichnung findest

                    Du für dich am angemes-

                    sensten?

FALCO:,,Ähmm, steuerzahlen-

der Erdenbürger – und das ist

Beruf genug, glaub´ es mir“

ME/SOUNDS: Und welcher Be-

Ruf steht in deinem Ausweis?

FALCO: Da steht goar nix drin-

nen, so was gibt´s bei uns net, in

Österreich hamner koan Beruf im

Ausweis“

ME/SOUNDS: Und wenn wir die

Frage enger fassen, rein aufs Busi-

ness bezogen?

FALCO: Da fühl ich mich als

Musiker, ja, eindeutig als Musiker.“

ME/SOUNDS: Wieviele Leute arbeiten momen-

tan für dich?

FALCO: ,,Des lasst sich so aafoch net sogn.

Wenn man also die volkswirtschaftliche Bedeutung

der Plattenindustrie steht, obwohl des ja für die

Regierenden nicht mehr als fahrende Händler sind.

da muss man sagen, es sind eigentlich ganz schön

viel Arbeitsplätze gebunden. Insofern als ja auch

jemanden gibt, der Schallplatten verkauft. Ich

kann jetzt net sagen, wie viele Leute im weitesten

dunstkreis für mich arbeitn, aber im engsten,

maximal fünf, würd ich sagen“

ME/SOUNDS: Wenn man bei dem engen Kreis

von fünf Menschen bleibt, die unmittellbar für dich

arbeiten: Hast du jemals das Gefühl gehabt, Arbeit-

geber zu sein?

FALCO: ,, Ich habe – leider – in letzter Zeit

immer mehr den Eindruck, Arbeitsgeber zu sein,

weil wemma sich dieses Promotion-Hick-Hack vor

meiner letztn Plattn anschaugt, dann hamma des

eigentlich nur aus der Arbeitsgeber-Sicht betrach-

ten. Ja, scheinbar wird man so verstanden, wenn ma

sich in Deutschland an kreative Partner wendet,

dass ma hier Auftrags-Arbeiter vergibt – und des

hab ich unterschätzt.

Und so kam es dann auch zu aner Profil-Neurose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von gewissen Schreibern, die also meinten, hier die

andere Geschichtn finden zu müssen, die sie net

gfundn hamm, weil, es besteht das allerbeste

Einvernehmen zwischen allen Beteiligten.“

ME/SOUNDS: Du sprichst jetzt konkret die

Berichterstattung über den Prodzenten-Wechsel

zwischen den Bollands, Mende/DeRouge und dann

wieder den Bollands an?

FALCO:,,Naja, kloar, aber vor allem des, was

gewisse Lohnschreiber daraus g´macht hamm.!

ME/SOUNDS: Die Frage zielte auch auf den

Zwiespalt, einerseits Musiker, Texter, Songwriter zu

sein, andererseits aber auch ,,Konzernherr“

FALCO: ,,Es iss so, es folgendes Zitat eines

Kritikers über mich: ,Während die meisten seiner

englischsprachigen Kollegen alles machen, was auf

ihrem eigenen Most gewachsen ist, des iss O-Ton

Zitat, ist er doch noch auf Zuträger angewiesen.“

Ich möchste so sagn: Ich habe bisher den festen

Vorsatz nie außer Acht gelassen, dass eine Platte als

Ein ganzes Werk zu betrachten ist, ich hab versucht,

möglichst wenige Schwachstellen auf jeder Plattn

zu hamm, keinegroßen Gefälle in der Qualität.

Was zur Folge hat, dass ich also immer kreative

Köpfe zu meinen Partnern hatte, weil ich der

Meinung bin, wenn ma des beste aus einer Plattn

herausholn will, dann muß man in

bestemmte Bereichen Leute zu

Wort kommen lassen, die darauf

ganz einfach hauptberuflich ge-

eicht sind, ja!

Meine hauptberufliche Eichung

überlaß ich deiner Beurteilung,

aber, ich bin nicht der beste Kom-

ponist und ich bin auch kein –

noch kein – besonders guter

Knöpfel-Dreher. Was jetzt, um

Gottes Willen, bitte, keine Abwer-

tung für den Produzenten-Status

sein soll, aber der Produzent kann

auch nur des produzieren, was aus

dem Artisten ausakommt, sonst

würde er ja selbst singen, wahr-

scheinlich

 ME/SOUNDS: Sind das die Erfahrungen, die du

Aus dem Produzenten-Hin-und-Her der jüngsten Zeit

Mit den Bolland-Brüdern in Holland und dem Team

Mende/DeRouge in Frankfurt gesammelt hast?

FALCO: ,,Es ist zu einer Situation gekommen,

die ich unterschätzt habe. Ich kann durch meinen

Status auf der einen Seite nicht in die Geschichte

der Deutschsprachigen Musik der neueren Zeit

Gesetze einführen und da ganz aafoch Verkaufs-

Zahlen vorlegen, die kanner zu halten vermag, und

auf der anderen Seite blauäugig glauben, ich

könnte hinausziehen in die deutschen Lande und

jetzt zu irgendjemanden, von dessen Arbeit ich

beeindruckt bin, sagen: Komm, laß uns doch

einmal was probieren. Das geht scheinbar nicht,

weil wenn ich das mache, steht derjenige sofort auf

und erklärt sich als Falcos neuer Produzent, exklu-

siv dann vielleicht noch dazu, oder sonst irgend-

was, und diese Situation hab ich unterschätzt, aber

aus Erfahrungen lernt man.“

ME/SOUNDS: Nochmal zurück zur Berufs-

Bezeichnung Musiker. Hast du auf deiner neuen LP

ein Instrument selbst gespielt?

FALCO: ,,Das hab ich aus dem vorhin erwähn-

ten Grund nicht getan, weil Leute zu Wort kom-

men sollen, die auf das hauptberuflich geeicht sind.

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,,Für mich ist Männer-

tanz etwas ziemlich

Suspektes, ich werde

Nur schwul und lenden-

weich dabei, ehrlich“

Mein Hinweis mit der goldenen Baß-Gitarre (auf

dem Cover der neuen Falco-LP abgebildet, die Red.)

ist der, dass ich mich noch immer mehr als Musiker

seh, denn als Abgeber von Steuer-Erklärungen,

oder als Medien-Künstler – da gibt´s in Österreich

einen westenlich besseren Medien-Künstler.

Also, das war der Hinweis mit der Goldenen

Baß-Gitarre und ich könnte das auch, diese Erfor-

dernisse, die auf dieser Platte sind seitens der Baß-

 

 

 

 

 

 

 

 

Gitarre locker bringen, aber net vo heit auf morgen,

also ich müsst mich a bisserl einspielen und ich sehe

keinen Grund dazu ...“

ME/SOUNDS: Unter welchen Kriterien wählst

du denn Musiker für dich aus?

FALCO: ,,Unter Kriterien, was sie kosten

dürfen, ha ha ha. Ganz aafoch, Also, es iss so, daß

es sich bei deutschen und österreichischen Musi-

kern herumgesprochen hat, dass ich ein wirklich

feiner Bursche bin. Daß ich wirklich vom ersten

Probetag an bis zum letzten Tag für die Band

alles tue, was nur möglich ist. Daß ich also zum

Beispiel eingeführt hab, Tournee-Start-Feiern, dann

doppelte Gagen zu Ende der Tournee, Prämie

Pa-Pi-Pa-Po, und auch ansonsten mich gegenüber

dem Tournee-Veranstalter wirklich auf Seiten der

Musiker stelle und mich für alles einsetze, was nur

möglich ist. Ein Fehler, wenn man also sich die

Kalkulation der letzten drei Tourneen anschaut

ME/SOUNDS: Du willst uns sagen, die letzten drei

Falco-Tourneen haben minus gemacht.

FALCO: ,,Wir haben kräftig minus gemacht,

obwohl es nicht notwendig gewesen wäre. Man

muss irgendwann mal festlegen, was man für

             Anforderungen stellt. Ich glaube, dass wir mit den

                      Welt-Tourneen der englischsprachigen Leute

                      nicht mithalten können, weil die san konzi-

                     piert für 100 Konzerte aufwärts. Wir müssen

                    realistisch sein und sagen, wir können 40

                  spielen. Also soll es das geben was notwendig

                  ist, nämlich mich, eingebettet in 56-Kanal-

               Technik, und nicht mehr und nicht weniger. Ich

             lasse mir nicht mehr einreden, dass auch nur ein

            Mensch mehr oder weniger kommt, wenn da zehn

            Vari-Lights mehr hängen.“

               ME/SOUNDS: Bedeutet das, die Leute bekom-

                  men in Konzerten der aktuellen Tour einen

                      Schmalspur-Falco vorgesetzt?

                         FALCO: ,,Naa, des net. Aber ich glaube,

                         wir müssen die Linie verfolgen: technokra-

                           tisch, technokratisch und noch aamoi

                              technokratisch. Hi.Tech und kein Firle-

                                 fanz, weil des wirkt nur lächerlich

                                   und aufgesetzt. Bescheidene Bühnen-

                                     Deko, kaane Kostüme, wir hamm

                                      eine einzige Sache, also abgesehen

                                      von den Vari-Lights, hammer an

                                      Kran, an dem wird ich zwei- bis

                                     dreimal pro Show schweben.

                                      Der passt zwar nicht jede Hale-

                                       le, aber so aan Kran, des find i

scho wieder so hi-tech-mäßig guat, so abgehoben,

dass es geht.“

ME/SOUNDS: Hast du dich denn bei den Mega-

Shows dieses Sommers, bei denen internationalen

Kollegen mal umgesehen?

FALCO: ,,Du, ich hab Michael Jackson gesehen

und ich muß dir sagen, abgesehen davon, dass der

Typ natürlich ein Vollblut-Musiker ist, wie er aus

einer Retorte nicht besser zu zeugen wäre, also des

iss ein absolutes Unding, der Mensch und das iss

ein absolut bewundernswerter Künstler, da kann

ma vor Neid bloß erblassen, wenn ma net eh schon

weiß ist, und ich muss halt nur aans sagn, für das

Geld, das die Leute haben, macht der Jackson

Genausoviel wie der Konstantin Wecker für den

Süddeutschen Raum. Weil wenn du dir ausrech-

nest, was die für Events spielen, wie viel Tickets die

verkaufen und was die für ein Budget haben, dann

machen sie im Grunde genommen nicht mehr als

das, was unbedingt notwendig ist.“

ME/SOUNDS: Wirst du auf der Bühne selbst

zum Baß greifen?

FALCO: ,,Naa, darauf ist doch niemand neugie-

rig. Darauf ist vielleicht des Musiker-Fachblatt

neugierig, weil die´s wissen wollen, wie ich des

schaff, über eine Sext zu greifen, Aber sonst

interessiert des niemand.

ME/SOUNDS: Hast du für die Show cherogra-

fischen Unterricht genommen?

FALCO: ,,Überhaupt nicht! Ich werde nur

schwul und lendenweich dabei, wirklich, Für mich

ist Männertanz etwas ziemlich Suspektes, sag ich

dir ganz ehrlich. Solang man net schwoarz ist und so

ausschaugt wie der Michael Jackson, sollte man

vorsichtig sein mit dem Tanzen auf der Bühne. Mir

wird´s auf jeden Fall schwülstig um die Nebennie-

ren, wenn ich da jetzt so anfang, zwei vor, zwei

zurück.“

ME/SOUNDS: Wenn du zehn Jahre zurück-

denkst, an deiner Zeit als Musiker: Was vermisst Du

heute am meisten?

FALCO: ,, Nix, ich vermisse nix aus der Zeit, ich

habe mich für eine Entwicklung entschieden und

die war für mich überlebenswichtig.“

ME/SOUNDS: Welche Entscheidung war das?

FALCO: ,,Ich habe in der zweiten Hälfte der

70er Jahre eine entscheidende Phase durchge-

macht. Entweder wäre ich in dieser Generation der

Wiener Rock´n Roll-Musiker geblieben und hätte

mich betäubt,was den Rest der Welt angeht. Und

leider Gottes sind aus dieser zweiten Generation

der Wiener Rock´n Roll-Musiker in der Zwischen-

zeit außer mir kaum noch welche überbliebn, weil´s

alle entweder an Heroin gestorben sind, total auf

Heroin sind oder an sonstigen giftlerischen Eska-

paden versandelt sind.

Ich habe Ende der 70er eins gesehen: Genügt es

mir, mich in die unendliche Todes-Sehnsucht der

Wiener Musiker er ergeben? Es hat mir nicht

genügt. Infolgedessen musste ich nach Deutsch-

land, infodessen musste ich ins Samstagabend-

TV-Hauptprogramm. Wie hätte denn dieser Typ,

dieser Falco anders aussehen können als gelackt

und arrogant, damit er auf der anderen Seite, für

seine Kritiker aus dem Sub-Szene-Lager, net lä-

cherlich dasteht wie ein Hampelmann?

Des iss auch das Problem für alle neuen deut-

schen Künstler, dass sie dieses Backing, was ich hab,

aus den 70ern, von dieser Sub-Kultur, die sich unter

der Regierung Kreisky ein bisschen entwickeln

durfte in Österreich, nicht mehr haben-„

ME/SOUNDS: Wirst du von dieser Sub-Kultur-

Szene denn heute überhaupt noch akzeptiert?

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,,Ich hab´doch die kleine

Salon-Hitparaden-Anar-

chie eingeführt und 1981

Koks-Lieder zu Blacky

Fuchsberger gebracht.!

FALCO: ,,Des waaß i net. Schau, mein erstes

Album EINZELHAFT war eher noch ein Zuge-

ständnis an eine eher ,,alternaive“ Szene. JUNGE

RÖMER war bereits meiner erste Kokettrie mit

dem Establishment, weil ich eben gesehn hab, dass

du in unsren Landen an einem Samstagabend-

Hauptprogramm nicht vorbeikommst. Und so hab

ich also das kleine Schmuggelgut eingeführt, die

kleine Salon-Hitparaden-Anarchie, indem ich 1981

 

 

 

 

 

 

 

 

 

angefangen hab, Koks-Lieder zu Blacky Fuchsber-

ger zu bringen und versucht habe, sowohl die

kritische Seite des Wiener Undergrounds, dass was

von den 68ern übrig geblieben ist, als auch die

bürgerliche Seite auf einen Punkt zu bringen.“

ME/SOUNDS: Wie wohl fühlst du dich denn im

Samstagabend-Programm?

FALCO: ,,Ich weiß gar nicht, was ich da eigent-

lich drin tue, weil ich hab kann so an Schmäh für die

Leut wie der Thomas Gottschalk. Mir ist aber

völlig klar, dass ich nur Macht oder einen Status

innerhalb der Platten-Industrie hab, wenn ich auch

mitspiele und die Platten, die mir ja am besten auch

für mich allein gefallen würden auch übers Fern-

sehen verkaufen laß.“

ME/SOUNDS: Was hält dich an Wien?

FALCO: ,,Des waaß i net, ehrlich, Es ist ja schon

soweit gekommen, dass ich aus Wien weggehen

wollte, aber ich komme nicht weg, Diese Stadt ist

eine, wo net sofort a jeder aufsteht und schreit und

Hurra sagt, wenn irgendeinen was gelungen ist,

sondern wo ein jeder von vorneherein amol alles in

Zweifel zieht. Wennstas dort schaffst, wenn du es

schaffst, dieser wischerhafter, elitären Meute ge-

         recht zu werden, die nur drauf warten dass sie dich

               irgendwo beim An-einen-Baun-pin-

                                keln erwischen, damit du ein Exhibi-

                                  tionist bist am nächsten Tag, wenn du

                          es schaffst, dort zu bestehen, dann schaffst

                         du es überall.“

              ME/SOUNDS: Wie siehst du den aktuellen

     Stand der Austro-Pop Szene?

       FALCO: ,,Der Großteil der sogenannten Au-

        stro-Pooper san Liedermacher, weil, wer mit aner

        Wander-Gitaarn vorm Publkum steht, der hat mit

        Rock´n Roll nix zum tun, und die san heut net

       besser und net schlechter als vor zehn Jahren. Nur

       des Umfeld hat sich verändert, und das nicht

         zuletzt durch mich. Für mich singen die durch die

          Bank, als wären sie beruflich bei der Sozialfürsor-

          ge. Ich will da jetzt net auf Promi oder Opernball-

           Besucher andrücken; damit dab ich nix zu tun. Ich

            komme aus dem Keller, in den ich gegangen bin,

             um zu proben mit meinen Bands, während andere

              Buam Fussball-Spielen gangen san“

ME/SOUNDS: Und die Österreichische Band-

Szene?

FALCO: ,,Gibt´s die? Naa, i waaß net, Opus

spielen 360 Tage im Jahr, da geht kaaner unter

9000 Mark im Monat heim, iss ja besser als

Schlamm-Schippen. Aber sonst, Dradiwaberl

waren eine kommunistische Konzept-Truppe, die

Hallcuination Company war eine 68 Spätlese,

und die E.A.V. – der geht’s heute ähnlich wie mir

vor ein paar Jahren – hat sich´s wirklich nicht

leicht gemacht, die kamen aus dem 68-Lager,

aber die hamm jetzt nach 12 oder 13 Jahren endlich

eingesehen, dass man sich über jeden Kommerz nur

lustig machen kann, wenn man ihn beherrscht. Die

machen´s jetzt so wie ich, nur a besserl platter, und

führen heimlich die Anarchie ins bundersrepublika-

nische Wohnzimmer.“

ME/SOUNDS: Du hattest große Pläne neben der

Musik, wolltest auch als Schauspieler Fuß zu fassen.

Was ist daraus geworden?

FALCO: ,,Ich möchte nichts lieber als in einem

benachbarten Geschäft, wo das Gesicht, die Attiü-

de, der Intellekt was zu sagen haben, einen zweiten

Fuß auf den Boden kriegen. Nur kann ich mir net

mit irgendeinem blöden Drehbuch den Namen

versauen lassen. Um die Figur Falco auch im Film

richtig rüberzubringen, muß ein Umfeld von Part-

nern her, das sich gewaschen hat und vorher kann

ich des leider net machen.“

ME/SOUNDS: Aber es stand doch schon fest,

dass du die Hauptrolle in dem Film ,,Der Goldma-

cher“ spielen solltest.

FALCO: ,,Die Leute, die das Geld für den Film

raustun mussten, denen gefiel das Drehbuch nicht.

Es war eine Tragikomödie, zur Zeit des National-

Sozialismus angesiedelt. Die ließen dann das Dreh-

buch von einem Amerikaner überarbeiten, der

angeblich auch schon für Spielberg geschrieben hat

-          und heraus kam die übelste Nazi-Klamotte. Da

steht goebbels mit Hitler aufm Balkon und sagt:

,,Hi, Addi“ . Und des 1987, wo Österreich die

Waldheim-at ist und mir als Wiener als

Hauptdarsteller, also naa, so net!“

ME/SOUNDS: Wo ist auf der neuen Platte

,,Jeanny“ geblieben? Du hattest ja angekündigt, das

Schauermärchen fortsetzen zu wollen.

FALCO: ,,Ja, wo ist sie geblieben? In ersten Linie

wäre eine Jeanny-Fortsetzung ja ein volkswirt

schaftlicher Aspekt für die Plattenfirma gewesen.

Wir haben uns überlegt, dass wir wieder einmal das

Überraschungs-Moment ins Kalkül ziehen wollen

und zunächst einmal nicht dort von den dritten Teil

machen wollen, wo man ihn erwartet.

ME/SOUNDS: Deine persönliche Jeanny, deine

Freundin Isabella Vitkovic, ist ja jetzt doch Frau

Hölzel geworden ...

FALCO: ,,Du, ich mag sie einfach. Ich hab sie

am 17. Juni 1988 in Las Vegas geheiratet, weil in

den letzten drei Jahren war aafoch zuviel Wirbel.

Alle hams damals, als des Baby kam, erwartet, aber

wir taten es nicht, Wir leben, wie´s uns passt, Durch

des Heiraten verändert sich für uns eh goarnix. Ich

werde um nichts umkomplizierter und an unserem

Verhältnis hat sich durch den Trauschein über-

haupt nichts geändert.“

ME/SOUNDS: Wie ist heute dein Verhältnis zu

Den Bollands?

FALCO: ,,Die Bollands haben zusammen mit

mir einen Schmäh entwickelt, der in dieser Kombi-

nation einmalig ist. Die Bolland-Auffassung von

Popmusik, sehr vordergründig, sehr plakativ, und

meine Popmusik-Auffassung, rough, rough, das

paart sich genial. Wir sind keine Kumpels, wir sind

keine Busenfreunde, aber wir können eines nicht

leugnen: Wir haben einen Trick zusammen, den

weder Mende/DeRouge mit mir gefunden hatten,

noch hatten wir ihn bisher alleine. Ich nichts, aber

auch die Bollands nicht. Zusammen sind mir un-

schlagbar.“                            ULI WEISSBROD

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